Verfasst von: markolange | 27. September 2017

Iss auf, sonst gibt`s schlechtes Wetter!

organisch, lifestyle, schlachtplatte, kartoffelbrei, sauerkraut, mettwurst, blutwurst, leberwurst, urban, edel, urbano, kassler, speck, schweinefleisch

Wir hatten ja nüscht vor der Wende! Nur Rotkraut, Steckrüben und Kampflieder. Dieser Unsinn über die Beutegebiete hält sich hartnäckig und kann mittlerweile bei reisefaulen Altwessis als mitleidheischende Mär verwendet werden. Vielleicht bekommt man noch einen Albrecht Kaffee oder ne Dederon Strumpfhose geschenkt. Aus dem letzten Ostpaket von 1989, das der nicht mehr von der Steuer absetzen konnte. Wozu dann noch verschicken. Wird ja nicht schlecht. Was aber geblieben ist, sind die Erinnerungen an folgenreiche Sprüche aus der Zeit von Großeltern und vor allem Urgroßeltern. Sprüche , die tief in den noch mit viel Speicherplatz versehenen Stammhirnen kleiner Nachwuchsthüringer hängengeblieben sind. Zum Beispiel wurde einem von Klein an die Schuld für meteorologische Kapriolen eingeredet. „Iss Deinen Teller auf, sonst scheint morgen die Sonne nicht.“  Das ist insofern schon mal Unsinn, da es kleinen, mit Zahnlücken bestückten Kindergebissen definitiv nicht möglich ist, massives , volkseigenes Porzellan oder eher meist besser erhältliches Steingut in schluckfähiges Schüttgut zu verwandeln. Zum anderen wollte natürlich kein Kind, dass wegen ihm schlechtes Wetter aufzieht. Das bedeutete ja, nicht draußen spielen und WLAN war noch nicht erfunden. Dazu die traurigen , vorwurfsvollen Gesichter aller Umstehenden, Erziehungsberechtigten, Parteikader und dem ABV. Und natürlich die Ernte für unser Land. Was, wenn die Bauern wegen meiner unzureichenden Essleistungen Ihren Plan nicht schafften und wir mangels Brot im kommenden Jahr dahinsiechten? Also aufessen! Egal was es gab. Egal was aufgeladen wurde, aufessen! Für den Weltfrieden! Ich bin sicher, ich habe in den Siebzigern und Achtzigern so manches mehrwöchige, stabile Sommerhoch ohne eine mickrige, kleine Wolke allein herbei gefressen. Und dann die pädagogisch wertvollen und motivierenden Sprüche der Generation Steckrübe! “ Er ist ja gut beinander!“ „Er hat ja lange Seiten!“ „Das wächst sich raus!“ Von der Grammatik mal ganz abgesehen, was wächst sich wohin raus? Und welche Seiten? Die Seiten bleiben gleich! Aber aus der Hochebene wird eine Wanderdüne! Gern wurden solche Sätze in der dritten Person im Beisein des körperlich ignorierten Kindes von Onkeln und Tanten über den Kaffeetisch geworfen, während man sich Cremetorte mit Filterkaffee ins pralle Korsett stopfte.  Auch ein schöner Spruch ist ja „Denk dran, in Afrika, die wären froh, wenn sie das essen könnten!“ Sicher! Und zwar 10 von denen von meinem Teller! Für ne Woche!  Ein Klassiker der Ernährungsberatung ist ja „Morgens wie ein Kaiser essen, Mittags wie ein König und abends wie ein Bettler“ Mir hat sich nie erschlossen, was ich morgens mit Hühnchen und Schampus anfangen sollte. Beim Mittagessen wurde nie ein König in der Schulküche gesichtet, obwohl unsere Schulküche in Frießnitz trotz der limitierten Möglichkeiten wirklich gut gekocht hat. Abends wie ein Bettler? Im Arbeiter- und Bauernstaat sollte es niemandem schlecht gehen. Und vegan hatte glücklicherweise noch keiner erfunden. Also Mahlzeit! Überhaupt war das ein riesen Glück, dass im Zentralkomitee keiner Vegetarier oder Veganer war. Die hätten aus der Not ne Tugend gemacht und dann hätten am Wochenende Kraut und Rüben auf`m Grill gelegen. Den schmackhaften Rest hätte Schalck-Golodkowski für Westgeld exportiert, damit im ALDI in Bayern die Roulladen noch billiger werden. Gruselig. Was bleibt also hängen? Nicht jeder Spruch aus alter Zeit stimmt und lieber ertrage ich ein paar Regentage, als dass die Badehose nicht mehr passt. An die Kinder sei gesagt „Immer mehrere Meinungen einholen!“ Und am besten von Menschen, die entweder nachweislich was davon verstehen oder  so aussehen, wie man aussehen will. Aktuell und hoffentlich nie mehr, muss einer durch einen harten Winter kommen. Egal wo er in Deutschland wohnt. Auch nicht in Zeitz. Die Sprüche der meisten Großeltern sind allerdings auch viel besser geworden. Und es wäre klüger, des Öfteren fünf Teller mit Klößen in Petersiliensauce zu essen, als dreimal die Woche den Dreck von Mc in sich zu stopfen. In diesem Sinne Mahlzeit!

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

Kategorien

%d Bloggern gefällt das: