Verfasst von: markolange | 15. Juli 2017

Versandet

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Nach der Heimkehr aus einem gepflegten Nordseeurlaub kommt man irgendwann an einer Sache nicht vorbei. Dem Reinigen des Familienautos. Und es ist unglaublich, was man da zu Tage befördert. Buntstifte, Socken, Schokoladenreste, Kaugummi, getrocknete Insekten, vergessene Verwandte, dänische Oere- Stücke und vor allem – SAND! Besonders wenn man in einem Bereich Dänemarks Urlaub macht, der gemein hin Jammerbucht genannt wird, so hat das nichts mit dem unterstellten Mißmut der Anwohner sondern eben etwas mit dem ewig strammem Wind zu tun, der dem sonnenhungrigen Teutonen dort allerorts ums Haupthaar pfeift. Es stürmt. Und selbiger trägt alles mit sich mit. Vor allem Sand. Autotür auf, Sand rein. Mund auf, Sand rein. Eis in die Hand, Sand paniert. Hat man ein altes, rostiges Fahrrad zur Hand, so hält man es kurz über die Dünen, wendet es nach einer Minute und ab zum Lackierer. Sandgestrahlt. Dies, sowie Füße, Kleidung, Haare und alles Weitere der Autoinsassen, füllen das Fahrzeug somit während der Urlaubszeit bis zum Erbersten der Federung mit Sand und weiterem tertiären und siliciumhaltigen Strandgut. Ich habe nachgerechnet. Ein Fahrzeugsitz, Leder, hat auf der Sitzauflage 9 Querrillen a 30 cm. Geht man also davon aus, dass jede Rille prall gefüllt das kochtechnische Maß einer Prise Sand (ca. 100 mg) enthält, haben wir also pro Sitzfläche 0,9 Gramm. Noch nicht viel aber lästig und es läppert sich. Die umlaufende Naht der Sitzfläche hat 130 cm, also gut 4 Quernähte. Macht nochmal 0.4 g. Nun hab ich fünf Sitze. Wir sind bei 6,5 g. Am schlimmsten ist aber der Boden. Hier kann man die Prise locker im Schnitt auf eine Fläche von 25 qcm ansetzen. Mein Auto hat Innenmaße von ca. 47.600 qcm. Ziehen wir mal die Mittelkonsole und Sitzschienen ab und addieren stattdessen noch die Wanderdünen in den Ablagen der Türen, so komme ich auf ca. 45.000 qcm. Das sind 1.800 Prisen feinster dänischer Nordseesand. Also 180g plus die 6,5 g von den Sitzen. Ich habe also heute etwa 186,5 g Sand geborgen. Bei etwa 15 Millionen Übernachtungen in Dänemark pro Jahr und damit etwa 750 tausend, unterschiedlich großen und durch Sand und Verwandtschaft konterminierten Fahrzeugen, gehen Dänemark pro Jahr 139 Tonnen Sand flöten. Wir sollten unbedingt schnell wieder hinfahren, ehe das Land weg ist.

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