Verfasst von: markolange | 14. November 2017

Lebensabschnittsgerüche

Mann mit Gasmaske vor einem Teller mit Käse unter Käseglocke

Düfte können so viel auslösen.  Appetit, Balz, Fluchtgedanken, Ohnmacht und natürlich Erinnerungen. Schon mal gemerkt, dass man bestimmte Abschnitte seines Lebens an Gerüchen oder Düften wiedererkennt oder sie zumindest mit ihnen verbindet? Ging mir jetzt mal wieder so. Da kam ich in einen alten Plattenbau, dessen letzte Renovierung vermutlich noch mit Forumschecks schwarz bezahlt wurde. Und da war er auf einmal. Der Duft nach Kindergarten.

Kindergarten

Dieser komische, leicht muffige Geruch nach Linoleumboden mit Bohnerwachs und guten alten Benzol- oder Plaste-und Elaste Dämpfen. Dazu oft noch diese grünen sägespanartigen Bohnerwachskrümel, die so herrlich die Nebenhöhlen frei gemacht haben., wenn sie von der Tante in Kittelschürze erst hin, dann her und dann weggekehrt wurden. Einen Hauch Aroma haben sicher auch die Sprellackartschränke (Hoffentlich scheibt man das so. Der Duden kennt das ja nicht.) abgegeben.  Der Duft geht nicht wieder aus dem Kopf und ist einzigartig. Diese freudige Erinnerung hat der Herr Pawlow erfunden oder besser herausgefunden. Dieses Experiment mit dem Schäferhund und der Lampe, als das arme Tier zum Schluss immer Appetit hatte und die Sabber lief,  wenn die Lampe anging. Bei mir ist das mit dem Duft von Milchreis und dem Brechreiz so, aber das gehört jetzt nicht hierher. Jedenfalls ist das ein Duft, der mir unabhängig von meinem persönlichen Kindergarten schon in vielen derartigen Einrichtungen über den Weg lief und damit ist er für mich ein Lebensabschnittsgeruch. Bitte nicht mit LAG abkürzen. Das Kürzel ist schon vergeben und was dabei herauskommen kann, wenn die Freundin irgendwo auf dem Skript liest:“ LAG riecht fürchterlich.“ kann sich jeder vorstellen.

Reichsbahnabteile

 Wer vor der D-Mark Fusion viel Zug gefahren ist, wie ich, weiß, was ich meine. Die Zugabteile in der 2.Klasse waren von einer stillen, lange Jahre gewachsenen Schönheit. Die von den Körperflüssigkeiten von Generationen getränkten Sitzmöbel in Komposition mit Kunstleder, dem Duft des Reichsbahnmülleimers sowie Aschenbechers aus Aluguss zum Abklappen unter dem Minitisch und einer Komposition aus Reinigungsmitteln und warmem Staub, waren eine feste Konstante bei allen Reisen. Dazu kamen der Geruch von Metall, Dampf, Schmieröl und dem Toilettenabteil von draußen. Fahren für echte Kerle. Interzonenzüge rochen komplett anders. Wir waren ja manchmal eine Strecke mitgefahren, wenn es denn der Fahrplan ergab. Ein wenig wie Intershop to go.  Und man konnte das Fenster noch öffnen. Das war schön. Das war richtiges Bahnfahren. Ich muss nicht mit 300km/h in 45 Grad Schräglage für das Doppelte der PKW-Kosten nach Berlin brettern, permanent eine Brechtüte in der Hand haben und darauf hoffen, dass Heizung oder Klimaanlage je nach Saison bitte funktionieren. So ein wenig Transsibirische Eisenbahn würde unseren durchgestylten Blechwürsten gut tun. Und Freude machen!

Geld

 Geld stinkt. Wer was anderes behauptet, hat noch nie welches in unendlichen Mengen gesehen, geschweige denn, darin wie Dagobert Duck gebadet. Mir war dieses zweifelhafte Glück zuteil geworden. Nach der Ausbildung in der Staatsbank der DDR, durfte ich in dieser Institution die Kehre oder meinetwegen Wende miterleben und teilweise mit erleiden. Als Kassierer einer Sortenkasse, d.h., auch mit vielen Währungen des Nichtsozialistischen Wirtschaftssystems, war mir der Umgang mit den verschiedensten Währungen vertraut. Mongolische Tugriki etwa, die sich, gedruckt vor etwa 40 Jahren, wie eine 100 Meilen unterm Sattel des Steppenpferdes geparkte und mehrfach gewaschene Tageszeitung anfühlten. Auch der russische Rubel oder die bulgarischen Lewa, waren von nicht besserer Konsistenz und verströmten teils Kompositionen, die man heute vermutlich unter dem Label Febreeze Knoblauch/Turnbeutel anpreisen würde. Ach und die Sache mit dem Baden in Geld lief so. Als die DDR Mark abgeschafft wurde stand die erst mal in Säcken wie im Geldspeicher im Tresorraum der Bank und wartete auf Ihre Vernichtung. So einen historischen Moment darf man sich nicht entgehen lassen. Also zwei Mann ein Gedanke und mit nem Kollegen mit Anlauf und Bauchklatscher in die Herrlichkeit des Geldes. Muss man mal gemacht haben.

Intershop

 Wenn es vor der Kehre den Intershopduft als Deo spray gegeben hätte, wäre es vermutlich ein Verkaufsschlager geworden. Ich hätte es gekauft. Und vermutlich hätte ich statt der blöden Kokosnussduftbäume jeden Tag einen Kubikmeter Intershopduft in mein erstes Westauto gepumpt. Seit dem die Intershops wegdiscountiert wurden, suche ich nach diesem Duft oder einem Geschmack, den ich am ehesten mit Diesem in Verbindung bringe. Neulich hab ich´s für mich gefunden. TIC TAC und Eiskonfekt. Natürlich jeweils getrennt voneinander. Besonders TIC TAC war ja seinerzeit für 50 Pfennig Forumschecks zu haben und somit einer der beliebtesten kleinen Einkäufe im „Shop“, so man denn mal wieder etwas Westgeld ergattert hatte. Und Eiskonfekt sowieso. Gab´s nicht mal als Attrappe von Zetti. Lecker. Ich fahnde weiter und ich bin sicher, irgendwann und irgendwo bekomme ich die anderen Bestandteile auch noch zusammen. Es soll mittlerweile schon Pflegeprodukte in sogenannten OST-Shops geben, die den Duft nachahmen. Weltkulturerbe!

Westautoabgase

 Was war das für ein Gestank nach Zweitaktabgasen. Damals hat man es nur nicht so genau wahrgenommen. Für einen Jugendlichen war es der Duft der großen, weiten Welt. Und wenn mal wieder Westbesuch kam, dann roch man das, wenn Sie in die Einfahrt einbogen. Russensprit roch man auch, wenn wieder ein LKW der Roten Armee vorbeigefahren kam. Allerdings komplett anders. Er war rot und stank grässlich. Westautos hatten einen gefühlt angenehmen Duft. Pawlowsches Riechen! Ab da konnte ich Raucher verstehen. Ein Raucher rauchte nicht den bissigen Qualm sondern war von da an der Marlboro Mann. Er saß nicht im Regen vor der Haustür sondern am Lagerfeuer in der Prärie. Zurück zum Thema. Ein Atemzug Opel Rekord und die Schlagersüßtafel schmeckte gleich viel besser. Das uferte dann dahin aus, dass wir 15 km mit dem Fahrrad ans Hermsdorfer Kreuz gefahren sind und Westautos angeschaut haben. Leere Westgetränkedosen waren außerdem der Sammlerhit!  Ab und zu bekam man sogar was von den rastenden Kapitalisten geschenkt. Man durfte sich nur nicht erwischen lassen.  Das mit der Kontaktpflege war jetzt nicht so gern gesehen bei der Staatsmacht. Da sind ganze Nachmittage draufgegangen. Spannend!  Und irgendwie war es auch das erste, was mir bei meinem allerersten Westauto, einem für mich damals unvorstellbar großen Ford Sierra 2,0 Fließheck, aufgefallen war. Er roch nach Westen. Und zwar innen und außen. Verrückt. Das hab ich bestimmt ordentlich mitbezahlt.

Fahrenheit

Nach der Kehre galt es ja, sich dem Schönheitsideal des Westens anzupassen. Wie singt die Erste Allgemeine Verunsicherung in Ihrem Song „Der Märchenprinz“ -„Zu viel Jäger sind – der Hasen tot.“  Also waren die chemischen Körperdüfte der in die Ostverbannung geschickten Vorzeigewessis das Maß der Dinge, um während der Balz wahrgenommen zu werden. Wie wir heute wissen, eher partiell eine Katastrophe. Bestes Beispiel dafür ist ein Duft, der möglichst noch in einer nachgemachten Billigversion literweise auf das goldkettchenbehangene Brusthaartoupet aufgeschwemmt wurde. Fahrenheit! Nennen wir die Fährte, die man in jedem Tanztee hinter sich herzog mindestens einmal markant. Nüchtern betrachtet verströmte man den Duft eines Sackes destillierten Rindenmulches. Was ich dem Zeug damals abgewinnen konnte, frag ich mich heute noch. Es war in.  Wie so vieles, über das man heute den Mantel des Schweigens legt. Der Duft wird allerdings  heute noch verkauft. Und sicher schlagen viele Damen deswegen  die Hände über dem Kopf zusammen.

Erster Besuch im Westen – Kaminholzduft

Der Ostthüringer an sich, hatte vor der Übernahme 1990 und auch noch lange danach eine gegerbte Nase. Zwei Hauptgerüche herrschten in den Straßen vor. Zweitaktabgas und Brikettheizungsqualm. Das war der Normalzustand. Nicht schön, aber man kannte es nicht anders. Dann fiel der Schlagbaum und wir in die Zonenrandgebiete ein. Ich hab das damals nicht gleich gemacht. Mir war es einfach zu blöd, in Hof an der Sparkasse anzustehen und dann den ALDI zu plündern. Noch dazu in einer endlosen Pappkarawane mit Zweitaktmotor. Außerdem wusste ich nicht, womit ich fahren sollte. Mit der 250-er TS? Never! Also erwarb ich als Erstes in Ruhe meinen Sierra und fuhr nach Schleswig Holstein. Jahrelang dufte ich nur bis ins Sperrgebiet zu meinem Schulfreund nach Testorf am Schaalsee fahren. Jedenfalls sofern ich wochenlang vorher meinen Passierschein beantragt und erhalten hatte. Nun ging es über´s alte Minenfeld nach Mölln und Ratzeburg. Ich stieg aus dem Auto aus und atmete tief ein. Es roch lecker und teuer nach verbranntem Birkenholz. Angenehm und mild. Als hätte diesem Landstrich noch nie ein Brikett konterminiert. Wunderbar. Und der Geruch, der weht nun mild über meinem Haus. Logisch.

Und so gibt es unendlich viele Gerüche, die man zuordnet, mag oder nicht mag, die aber in jedem Fall Bilder auslösen, die man nicht vergisst. Oft, obwohl man vergessen will. Aber dafür gibt es Therapeuten oder Getränke.

 

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Verfasst von: markolange | 27. September 2017

Iss auf, sonst gibt`s schlechtes Wetter!

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Wir hatten ja nüscht vor der Wende! Nur Rotkraut, Steckrüben und Kampflieder. Dieser Unsinn über die Beutegebiete hält sich hartnäckig und kann mittlerweile bei reisefaulen Altwessis als mitleidheischende Mär verwendet werden. Vielleicht bekommt man noch einen Albrecht Kaffee oder ne Dederon Strumpfhose geschenkt. Aus dem letzten Ostpaket von 1989, das der nicht mehr von der Steuer absetzen konnte. Wozu dann noch verschicken. Wird ja nicht schlecht. Was aber geblieben ist, sind die Erinnerungen an folgenreiche Sprüche aus der Zeit von Großeltern und vor allem Urgroßeltern. Sprüche , die tief in den noch mit viel Speicherplatz versehenen Stammhirnen kleiner Nachwuchsthüringer hängengeblieben sind. Zum Beispiel wurde einem von Klein an die Schuld für meteorologische Kapriolen eingeredet. „Iss Deinen Teller auf, sonst scheint morgen die Sonne nicht.“  Das ist insofern schon mal Unsinn, da es kleinen, mit Zahnlücken bestückten Kindergebissen definitiv nicht möglich ist, massives , volkseigenes Porzellan oder eher meist besser erhältliches Steingut in schluckfähiges Schüttgut zu verwandeln. Zum anderen wollte natürlich kein Kind, dass wegen ihm schlechtes Wetter aufzieht. Das bedeutete ja, nicht draußen spielen und WLAN war noch nicht erfunden. Dazu die traurigen , vorwurfsvollen Gesichter aller Umstehenden, Erziehungsberechtigten, Parteikader und dem ABV. Und natürlich die Ernte für unser Land. Was, wenn die Bauern wegen meiner unzureichenden Essleistungen Ihren Plan nicht schafften und wir mangels Brot im kommenden Jahr dahinsiechten? Also aufessen! Egal was es gab. Egal was aufgeladen wurde, aufessen! Für den Weltfrieden! Ich bin sicher, ich habe in den Siebzigern und Achtzigern so manches mehrwöchige, stabile Sommerhoch ohne eine mickrige, kleine Wolke allein herbei gefressen. Und dann die pädagogisch wertvollen und motivierenden Sprüche der Generation Steckrübe! “ Er ist ja gut beinander!“ „Er hat ja lange Seiten!“ „Das wächst sich raus!“ Von der Grammatik mal ganz abgesehen, was wächst sich wohin raus? Und welche Seiten? Die Seiten bleiben gleich! Aber aus der Hochebene wird eine Wanderdüne! Gern wurden solche Sätze in der dritten Person im Beisein des körperlich ignorierten Kindes von Onkeln und Tanten über den Kaffeetisch geworfen, während man sich Cremetorte mit Filterkaffee ins pralle Korsett stopfte.  Auch ein schöner Spruch ist ja „Denk dran, in Afrika, die wären froh, wenn sie das essen könnten!“ Sicher! Und zwar 10 von denen von meinem Teller! Für ne Woche!  Ein Klassiker der Ernährungsberatung ist ja „Morgens wie ein Kaiser essen, Mittags wie ein König und abends wie ein Bettler“ Mir hat sich nie erschlossen, was ich morgens mit Hühnchen und Schampus anfangen sollte. Beim Mittagessen wurde nie ein König in der Schulküche gesichtet, obwohl unsere Schulküche in Frießnitz trotz der limitierten Möglichkeiten wirklich gut gekocht hat. Abends wie ein Bettler? Im Arbeiter- und Bauernstaat sollte es niemandem schlecht gehen. Und vegan hatte glücklicherweise noch keiner erfunden. Also Mahlzeit! Überhaupt war das ein riesen Glück, dass im Zentralkomitee keiner Vegetarier oder Veganer war. Die hätten aus der Not ne Tugend gemacht und dann hätten am Wochenende Kraut und Rüben auf`m Grill gelegen. Den schmackhaften Rest hätte Schalck-Golodkowski für Westgeld exportiert, damit im ALDI in Bayern die Roulladen noch billiger werden. Gruselig. Was bleibt also hängen? Nicht jeder Spruch aus alter Zeit stimmt und lieber ertrage ich ein paar Regentage, als dass die Badehose nicht mehr passt. An die Kinder sei gesagt „Immer mehrere Meinungen einholen!“ Und am besten von Menschen, die entweder nachweislich was davon verstehen oder  so aussehen, wie man aussehen will. Aktuell und hoffentlich nie mehr, muss einer durch einen harten Winter kommen. Egal wo er in Deutschland wohnt. Auch nicht in Zeitz. Die Sprüche der meisten Großeltern sind allerdings auch viel besser geworden. Und es wäre klüger, des Öfteren fünf Teller mit Klößen in Petersiliensauce zu essen, als dreimal die Woche den Dreck von Mc in sich zu stopfen. In diesem Sinne Mahlzeit!

Verfasst von: markolange | 15. Juli 2017

Versandet

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Nach der Heimkehr aus einem gepflegten Nordseeurlaub kommt man irgendwann an einer Sache nicht vorbei. Dem Reinigen des Familienautos. Und es ist unglaublich, was man da zu Tage befördert. Buntstifte, Socken, Schokoladenreste, Kaugummi, getrocknete Insekten, vergessene Verwandte, dänische Oere- Stücke und vor allem – SAND! Besonders wenn man in einem Bereich Dänemarks Urlaub macht, der gemein hin Jammerbucht genannt wird, so hat das nichts mit dem unterstellten Mißmut der Anwohner sondern eben etwas mit dem ewig strammem Wind zu tun, der dem sonnenhungrigen Teutonen dort allerorts ums Haupthaar pfeift. Es stürmt. Und selbiger trägt alles mit sich mit. Vor allem Sand. Autotür auf, Sand rein. Mund auf, Sand rein. Eis in die Hand, Sand paniert. Hat man ein altes, rostiges Fahrrad zur Hand, so hält man es kurz über die Dünen, wendet es nach einer Minute und ab zum Lackierer. Sandgestrahlt. Dies, sowie Füße, Kleidung, Haare und alles Weitere der Autoinsassen, füllen das Fahrzeug somit während der Urlaubszeit bis zum Erbersten der Federung mit Sand und weiterem tertiären und siliciumhaltigen Strandgut. Ich habe nachgerechnet. Ein Fahrzeugsitz, Leder, hat auf der Sitzauflage 9 Querrillen a 30 cm. Geht man also davon aus, dass jede Rille prall gefüllt das kochtechnische Maß einer Prise Sand (ca. 100 mg) enthält, haben wir also pro Sitzfläche 0,9 Gramm. Noch nicht viel aber lästig und es läppert sich. Die umlaufende Naht der Sitzfläche hat 130 cm, also gut 4 Quernähte. Macht nochmal 0.4 g. Nun hab ich fünf Sitze. Wir sind bei 6,5 g. Am schlimmsten ist aber der Boden. Hier kann man die Prise locker im Schnitt auf eine Fläche von 25 qcm ansetzen. Mein Auto hat Innenmaße von ca. 47.600 qcm. Ziehen wir mal die Mittelkonsole und Sitzschienen ab und addieren stattdessen noch die Wanderdünen in den Ablagen der Türen, so komme ich auf ca. 45.000 qcm. Das sind 1.800 Prisen feinster dänischer Nordseesand. Also 180g plus die 6,5 g von den Sitzen. Ich habe also heute etwa 186,5 g Sand geborgen. Bei etwa 15 Millionen Übernachtungen in Dänemark pro Jahr und damit etwa 750 tausend, unterschiedlich großen und durch Sand und Verwandtschaft konterminierten Fahrzeugen, gehen Dänemark pro Jahr 139 Tonnen Sand flöten. Wir sollten unbedingt schnell wieder hinfahren, ehe das Land weg ist.

Verfasst von: markolange | 10. März 2017

Weibliche Reflexe

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Die Umschreibung  „Der hat ne lange Leitung.“ ist sicher nicht geschlechtsspezifisch. Es drückt nur aus, wann etwas über die Sinnesorgane auf der Festplatte des Probanden angekommen ist. Dass darauf natürlich auch noch eine Handlung folgen sollte , steht auf einem völlig anderen Blatt. Nimmt man z.B.  bei den beherbergten Minderjährigen den akustischen Reiz „Räum auf!“ und beginnt mit der Stoppuhr oder besser dem Stundenglas eine Reaktionszeit zu messen und sie in Relation zur absolvierten Strecke des Reizes von Ohr zu Stammhirn und später zu den Händen zu setzen, könnte man auf die Idee kommen, dass es sich nicht um Nervenbahnen sondern alte DDR-Alu-Drähte mit 6 Volt Strom handelt. Umso erstaunlicher ist es, was ein zehnjähriges Stammhirn nach einem zehrenden Grundschultag noch zu leisten in der Lage ist. Da stürmt die Zierde Ihrer Generation mit Stalldrang auf den Schulhof, verheddert die Koordination ihrer Füße und dann sendet der Notrufkanal des Unterbewusstseins den ersten verzweifelten Reiz gen Stammhirn. Von hier an wird es interessant. Die Probandin misst ohne Schuhsohlen 1,45m. Unter Vernachlässigung des Auftriebs, der Luftreibung, der Zunahme der Gravitationskraft bei Annäherung an die Erde und der Folgen der Erdrotation, fällt ein anfangs in Ruhe befindlicher Körper senkrecht mit der konstanten Beschleunigung g, deren Wert in Deutschland etwa 9 , 81 m /s 2  beträgt. Nun befand sich der Körper wahrlich nicht in Ruhe, was den Vorgang bis zur Feindberührung mit den Pflastersteinen drastisch verkürzen wird. Springt man von einem 5 Meter Turm, so erreicht ein Mensch beim schmerzhaften weil untalentierten Auftreffen des Bauches auf der Wasseroberfläche ca. 36 km/h. Nun haben wir hier 1,45 m Blondinenhöhe. Bei ruhendem Kind und konstanter Beschleunigung würde also der Aufprall des Mittelscheitels mit 10,44 km/h und damit nach ca. 0,344 Sekunden erfolgen. Respekt.  Durch das Rennen muss ja aber die Grundgeschwindigkeit mit einbezogen werden. Unterstellen wir mal ca. 7/km/h.  Das Blondchen spart sich beim Hinfallen also die Beschleunigung von 0 auf 7. Wenn die Beschleunigung auf 10,44 km/h schon nur 0,344 Sekunden dauert, spart Sie sich, weil der Weg ja noch der gleiche ist, trotzdem keine 0,24 Sekunden sondern wohl nur etwa ein Viertel. Also ca. 0,08 Sekunden. Der Vorschüler schlägt somit nach 0,264 Sekunden korrekt auf dem Boden der Realität auf. Das ist jetzt nicht reif fürs Physik-Abi, aber es macht stutzig, wenn man die Antwort der jungen Dame auf die Frage „Wie kann man denn beim Vorwärtslaufen auf den Hinterkopf fallen?“ hört. Das weibliche Gehirn kann in Bruchteilen von Sekunden die in Kürze eintreffenden Schäden in Folge eines Mißgeschickes analysieren und nach Priorität sortieren. Hier die Antwort. „Ich bin gelaufen und dann bin ich gestolpert und wenn ich dann hingefallen wäre, hätte ich mir ja die Nase gebrochen und das wäre ganz schlimm gewesen.“ So weit so richtig. Was bedeutet dies aber in Sachen Reflexe. Das Hirn der Heidi Klum – verseuchten weiblichen Nachwuchsgattung ist in der Lage, in 0,264 Sekunden zu realisieren, dass man wie ein Bügelbrett auf den Schulhof schlagen  und  die Knautschzone das Gesicht sein wird. Das Gesicht ist aber vieeel zu wichtig und so ist es phänomenal möglich nach etwa 0,1 Sekunden, also in Höhe von ca. einem Meter über normal Null einen flehenden Befehl an den Oberkörper zu senden, dass dieser sich ruckartig drehen möge, um die täglich gepflegte Schminkzone zu verfehlen. Womit alle anderen Körperteile in der Rangordnung ins Bodenlose fallen. Die zum Schutz bei Stürzen am Körper angewachsenen Arme und Hände werden wie Sportbeutel oder Hausschlüssel vergessen und der Hinterkopf nimmt nun das Duell mit einem vermutlich rumänischen Pflasterstein aus den Achtzigern auf. Lieber das Licht aus, als ein Kratzer am Lidschatten. Solche Blitzentscheidungen wünscht man sich manchmal bei den zähen Shoppingtouren durch die Konsumtempel unserer Städte. Erfreulicherweise gab es hier im Duell Knochen gegen Stein ein Unentschieden. Ich werde Frau Tochter beim nächsten „Räum auf!“ an die 0,264 Sekunden erinnern. Und dem Sohn geb ich`s schriftlich!

Verfasst von: markolange | 16. September 2016

Unterhosen-Selfie

Damals. Nicht vor dem Krieg aber damals. Als ein Telefon noch Wählscheiben und ein nach Toilette riechendes kleines Glashaus drum herum hatte, das man Zelle nannte. Als in der 7. Klasse eine SMS von einer Bankreihe in die andere noch mit Bleistift auf Löschpapier geschrieben und vom Provider (Bankbachbarn) durch diskrete Weiterleitung per Hand zum Empfänger befördert wurde. Natürlich war die Nachricht nur für einen Empfänger gedacht. Wie sollte man auch auf einem 10 Mal gefalteten Zettel von der Größe einer Erbse vermerken, dass ein Sack voll Leute mitlesen durften. Die Whatts-App Gruppe war noch nicht erfunden. Und las es doch mal jemand, der es nicht sollte, nahm man den Zettel weg und verpasste ihm ne Kopfnuss und gut war es. Die Nachrichtenkette war einigermaßen unterbrochen und nach einem Tag vergessen. Keine Spuren! Besonders hohe Alarmbereitschaft galt, wenn es um den Austausch von Intimitäten, Tratsch, wer mit wen angeblich gehen könnte oder körperliche Vor-oder Nachteile von Mitschülerinnen ging. Gelangte so was in die falschen Hände, musste man allerdings erst mal den Verfasser der Papiererbse finden. Auch nicht immer einfach. Heute ist das anders. Und in dem Wissen, wie es in der guten alten Offlinezeit der 1980-er war, gelangte mir durch ein schulpflichtiges Mitglied der Familie die Nachricht zu Ohren, dass ein Mitschüler grad etwas für’s Leben gelernt hat oder noch lernen wird. In dem Wahn, alles und jedes mit irgendwem elektronisch teilen zu müssen, kam ein pubertär motivierter 13-jähriger auf die nette Idee, sein in seinen Augen fotogenes Gemächt abzulichten und einer, wie er dachte, begrenzten Anzahl von Empfängern senden zu müssen. Per soziale Netzwerke. Warum machen Menschen sowas? Prahlerei? Wohl kaum. Eine Aktion, die dem jungen Mann sicher noch viel Freude bereiten wird. Was werden die Empfänger wohl gedacht haben? Was hat er getrunken? Oh Shrimps? Nein. Erster Gedanke war: So ein Idiot, das teilen wir mal weiter. Nun ging die elektronische Papiererbse also in der halben Schule rum, wie ein Schlüpfer beim Sommerschlußverkauf. Es wurde begutachtet, gelästert, weitergeteilt. Mittlerweile schwante dem Absender das Ausmaß und er blieb der Schule fern. Wohl ob der Vorfreude auf den ersten Gang über den Schulhof und die Gesten der Mädchen, die verschiede Abstände mit Daumen und Zeigefinger andeuteten oder nur in Gruppen kicherten. Wenn es in der Schulküche Roster, Bockwurst oder Eier gab, sollte er künftig den Speisesaal besser nicht mehr betreten und auswärts essen. Vor allem hat er aber mit dieser offenherzigen Aktion nicht viel weiter in die Zukunft gedacht. Es gibt sicher Berufsbilder, bei denen das Vorzeigen gut ausgebildeter Körperteile hilfreich für eine erfolgreiche Bewerbung ist. In diesem Fall würde es die Auswahl der Berufsbilder und Branchen jedoch sehr einschränken. Auch Studium oder Verbeamtung wären wohl, zumindest offiziell, fraglich. Jeder halbwegs pfiffige Personalchef wird bei Bewerbern mal einen Blick ins Internet wagen, um zu sehen, was der gebügelte und top frisierte junge Mensch denn sonst so alles im Leben schon zu Wege gebracht hat. Nicht hilfreich ist hier der Anblick eines pubertären Schniedels per Handykamera. Und da die Netzwerke immer Daten austauschen, glaubt man gar nicht, wo da so alles zu Tage tritt. Also. Regel Nr. 1. Das Gemächt begutachtet der Urologe und niemand sonst. Alles andere passiert offline. Regel Nr. 2 Und wer unbedingt alles raushängen lassen muss, geht FKK oder sucht sich jemanden, der willig mitmacht. In jedem Fall sind der Schulhof und Facebook keine gute Idee, wenn man nicht mit rotem Kopf dem Wohnort wechseln will. Aber einen guten Effekt hatte das Ganze wohl schon. Nach so einer Sache werden wohl alle in der Schule etwas mehr auf sich selbst, Ihre Unterhose und Papiererbsen achten.

Verfasst von: markolange | 20. August 2016

Alpakastrophe

IMG_6657Alpakas sind liebreizende Tiere, die zur Ernte überdicken Felles irgendwo im Andenhochland  gehegt, gepflegt und fett gefüttert werden. Hoffen wir, dass dies der einzige Nutzen ist, den der einsame Hirte in den langen Monaten in den Anden… Anderer Gedanke. Auch hierzulande hat sich die wärmedämmende Wirkung besonders bei Rentnerausflügen mit gecharterten Reisebussen und ganz zufälliger Verkaufsveranstaltung herumgesprochen. Aber eben nicht nur dort! So kam ich also auf die Idee, zur äußeren Erwärmung der auch bei 30 Grad Außentemperatur stets mit kalten Füßen ausgestatteten Frau, eine Decke aus solchem hochwärmenden Fellfilz anzuschaffen und zur anstehenden über Nacht führenden Urlaubsfahrt zu verschenken. Wer nun mit dem Gedanken spielen sollte, der ebenfalls dauerfrierenden näheren oder ferneren Verwandtschaft ein solches Präsent angedeihen zu lassen, der sollte etwas Wichtiges wissen. Das Naturprodukt verhält sich beim ersten Einsatz wie das Alpaka in der Mauser. Es haart! Gefühlt hat man den Eindruck, dass man binnen weniger Minuten statt einer daumendicken Decke ein ausgedünntes Häkeldeckchen  in den Händen halten wird. Wenn man nun auch noch auf die vogelwilde Idee kommt, die Decke als Erstes in einem vollgepackten Urlaubsauto auszuprobieren, nimmt das Unheil seinen Lauf. In den modernen Fahrzeugen von heute ist besonders für den heißen Sommer, das Vorhandensein einer höchst leistungsfähigen und in alle auch nur erdenklichen Quadratzentimeter pustenden Klima- und Lüftungsanlage unerlässlich.  Sie pustet. Früher war das egal. Da hätte man das Alpaka im Trabi quer auf das Armaturenbrett schnallen können. Die nach oben asthmatisch zur Entfeuchtung hechelnde Ventilierhilfe, sofern überhaupt vorhanden, hätte nur das Tier gekühlt. Heute findet man binnen kürzester Zeit zwei Kilo statisch haftende Filigranhaare im gesamten Fahrzeug. Erst waschen dann zudecken!!! Eine Katastrophe! Das Zeusch ist überall. Und es pikst sich in die Sitzbezüge und den Teppich! Zwei Stunden hab ich heute den ganzen Sharan von vorn bis hinten enthaart und irgendwie finde ich immer noch welche. Also wenn man jemanden gut leiden kann, dann sagt man dem unbedingt, dass der das Tier erst waschen muss, bevor er es aufs Sofa legt. Und wenn man den nicht leiden kann, dann soll er sich gleich draufwerfen. Der Samstag war jedenfalls heute rum.

Verfasst von: markolange | 18. Dezember 2015

2115 – Eine Kreuzfahrt

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2115 – Helmstedt-Hyvinkää- Eine Kreuzfahrt

 

Ein frischer Morgen am Rande der Kleinstadt Gera im Bundesland „Neuvorpommern“ beginnt. Es ist der 01.08.2115. In den einzigen beiden Gesamtschulen der Stadt starten heute die Sommerferien.  Per, Tilde  sowie ihr Sohn Johan haben heute Großes vor. Eine Kreuzfahrt. Schon lange spukte der Plan in Ihren Köpfen herum und es gab viel Für und Wider. „Das ist ja nur was für Rentner“, “ Das ist ja so teuer“, „Da langweilt man sich schon nach einigen  Tagen“ waren die häufigsten Einwände. Allerdings stammten die auch meist von den Menschen, die selbst nicht den Antrieb hatten, sowas mal auf die Beine zu stellen oder schlicht neidisch waren. Die Preise für Kreuzfahrten waren außerdem in den letzten dreißig Jahren drastisch gefallen. Wie alles, was in großer Zahl angeboten wird, verbilligte es sich. Dazu kamen die neuen, innovativen und günstigen Antriebe der Ozeandampfer mit Brennstoffzellen, Raupenantrieben und vollautomatischen Segeln, die die Industrie so um 2060 wie von Zauberhand auf den Markt geworfen hatte, als das Öl nun wirklich auszutrocknen begann und dort kein Geld mehr zu verdienen war. Bestimmt war ein Drittel der dreißigtausend Einwohner Geras schon mal in See gestochen. Bei einem Anteil von 61 % an Bewohnern über 65 Jahren, war das aber ganz normal. Die Quote war im Vergleich zu benachbarten Städten in der Region (Zeitz 71 %, Altenburg 73 % ) noch ganz OK. Dem Uranbergbau sei Dank. Nun also sollte heute eine ganz besondere Reise starten. Die Tour zu Ihren Vorfahren. Eigentlich stammten weder Per noch Tilde aus Gera. Nicht einmal aus dem ehemaligen Thüringen. Der Großvater von Per hieß Tom Henning und war Kriminalbeamter in Berlin. Bei ein paar gemeinsamen länderübergreifenden Fällen hatte er damals seine Frau Agnes Jensen in Dänemark kennengelernt. Als sich im Laufe des letzten Jahrhunderts aber anbahnte, dass Dänemark auf lange Sicht zu flach für die Geschichte des Klimas sein würde, planten Sie Ihren nun nicht gerade beruflichen, aber doch geografischen Aufstieg. Und landeten in Gera. Die Reise, die Ihre Enkel nun also antreten wollten, ging nach Norden. Nach Wegfall oder besser Untergang aller wesentlichen  nördlichen Metropolen, kristallisierte sich aufgrund ihrer Lage die Stadt Helmstedt als neue Küstenmetropole Deutschlands heraus. Mittlerweile war sie mit 280.000 Einwohnern die Hauptstadt der Halbinsel Harz und größter Hafen Deutschlands. Alle namhaften Reedereien begannen hier Ihre Kreuzfahrten. Die von Per, Tilde und Johan hieß “ 8 Tage über den alten Metropolen Skandinaviens. “ Die Fahrt ging von Helmstedt Richtung Berliner Halligen mit den berühmten Hochseebrücken und dem neuen Leuchtturm (ehemals Fernseeturm) über den Mecklenburger Bodden Richtung Tauchzentrum Vilnius weiter zum  versunkenen Kopenhagen nach Neu Tallin und zum Schluss und Höhepunkt in die neue finnische Hauptstadt Hyvinkää. Ein ehemals kleines Städtchen nahe des  alten Helsinki gelegen. Aber eben recht nah und vor allem hoch.

Den Hennigs ging es wirtschaftlich gut. Das war einerseits in Anbetracht der gesamtwirtschaftlichen Lage in Deutschland und Europa mit gut 15 % Arbeitslosigkeit nicht selbstverständlich, andererseits aber eine logische Entwicklung. Durch die Fluchtbewegungen der Küstenbewohner der letzten 60 Jahre, wurde das ganze Land umgekrempelt. Allein der Zuzug der Holländer, ließ in ganz Deutschland Dauercampinglätze aus dem Boden schießen, auf denen holländisch quasi Amtssprache war. Jeder, der eine Wiese mit Strom- und Wasseranschluss hatte, bezog auf einfachem Weg ein Zweiteinkommen über Stellplätze. Es gab kein Problem im Miteinander. Sprache, Kultur und Humor waren sich ähnlich und so rückte man zusammen. Nur über Fußball sollte man nach wie vor nicht reden. Die Aufnahme von Thomas Robben, dem Urenkel eines gewissen Arjen Robben in die deutsche Nationalmannschaft, spaltete das Fanlager. Besonders wegen seiner Elfmeterschwäche. Viele waren aber sehr  froh, dass wieder Leben in die Dörfer kam und so hatten auch Hennigs ein paar Bekannte aus dem alten Dänemark, ein paar Holländer und Alt- Mecklenburger aufgenommen. Zu Ihren Gehältern bei der Polizei und einem Bäcker kam also reichlich Stellplatzmiete und Miete für zwei einfache Holzhäuser, die vor 40 Jahren von einem Campingplatz an der Havel gerettet und restauriert worden waren. Außerdem übernahmen die Mieter komplett alles, was rund um das Haus der Hennigs zu tun war. Rasen mähen, Hecke schneiden, Fenster putzen, Winterdienst. So gesehen war der Klimawandel eine saubere Sache. Die noch trockenen deutschen Stammbewohner waren zu Vermietern mit Nebenberuf geworden. Wer hätte das gedacht.

7 Uhr morgens, der Kaffee war getrunken und die drei ließen sich mit Ihrem Elektro-DVW (Dacia hatte so um 2080 VW übernommen) vom holländischen Fahrer zum Bahnhof Gera bringen. Die Fahrt sollte 5 Stunden mit schnellem Umsteigen in Zeitz, Weißenfels und Halberstadt dauern. Die Wege der Bahn hatten sich ja auch verändert. Viele Hauptstraßen mussten des Wassers wegen natürlich komplett verlegt werden, aber dank der chinesischen Baufirmen mit Ihren flexiblen Wanderarbeitern, die bereits seit Inbetriebnahme des Berliner Flughafens und den wenigen Jahren seiner Nutzung zwischen 2065 und 2071 in Deutschland die meisten Großprojekte in wenigen Jahren umgesetzt hatten, war das Bahnnetz schon wieder fast so umfangreich wie vorher. Dass die Deutsche Bahn nun von Emirates feindlich übernommen worden war, hatte sich auf Komfort und Pünktlichkeit eher positiv ausgewirkt. Also trafen die drei pünktlich am Skandinavien Kai in Helmstedt ein. Die AIDA Angela lag am Pier 1 von 10 und es herrschte rege Betriebsamkeit. Hunderte Reisende schoben Ihre wie Mülltonnen ratternden Rollis über den betonierten Boden zum Check In. Viele wurden allerdings auch selbst geschoben. Wie gesagt, die Alterspyramide. Nach dem Begrüßungssekt, dem obligatorischen „Welcome-Foto“ an Bord und der Übergabe von Bordkarten, Armbändchen und Zimmerschlüssel, ging es in die Kabine. Hennigs hatten sich eine Junior-Suite genehmigt. Zwei Zimmer, Bad und Wohnzimmer. Vor allem aber eigener Balkon. Hier konnte man es aushalten und die Reise konnte beginnen.

Tag 1 

Die schöne neue Helmstädter Seebrücke war gut gefüllt, als das Schiff auslief. Es wurde „Junge, komm bald wieder“ und weitere Schnulzen gespielt. Sie war der früheren Seebrücke in Sellin auf der Insel Rügen nachempfunden und ein Besuchermagnet. Es ging auf See. Auf dem Flachbildschirm im Zimmer konnte man den Kurs des Schiffes verfolgen. So wie in der Schule gelehrt wurde, war die Seekarte gestrichelt mit den alten Orten und Wegen unterlegt. Aktuell fuhr man also etwa 100 Meter über Genthin. Seinerzeit ein Städtchen, bekannt für Waschpulver. Schaum war aber nirgendwo zu sehen. Erstes Etappenziel sollte am nächsten Morgen Berlin sein, wobei man schon am Abend dort ankam. Die Hauptstadt hatte viel gegen Ihr Schicksal unternommen. So hatte man die höheren Stadtbezirke befestigt und als Halligen geschützt.  In Ihrer Mitte war der ehemalige Fernsehturm hingegen wasserdicht gemacht und zu einem Leuchtturm mit Besucherrestaurant umgebaut worden. Es gab eine Landungsbrücke und ein Ladenzeile. Verbunden waren die insgesamt 5 Berliner Halligen mit stattlichen Brücken, die die verbliebenen ca. 70.000 Einwohner miteinander verbanden. Die AIDA Angela machte morgens nach dem ersten Frühstück über dem ehemaligen Berliner Tiergarten fest. Es gab festgelegte Plätze für Kreuzfahrtschiffe, da es z.B. nicht günstig gewesen wäre, den Anker auf dem Potsdamer Platz in das Dach des alten Bahntowers zu werfen. Das Angebot, mit dem hauseigenen Helikopter eine Runde über die Halligen zu drehen, schlugen die Hennigs allerdings aus. Keiner von Ihnen war recht schwindelfrei und vom Balkon sah man auch alles recht gut. Im TV lief zudem eine interessante  Reportage über die alte Hauptstadt. Schade drum.

Tag 2  

Das Riff vor Vilnius galt als eines der beliebtesten Tauchgebiete. Es gab für dieses Reiseziel tolle Angebote. Bei gutem Wetter konnte man mit den Tenderbooten rausfahren und Tauchen oder Hochseeangeln. Dank der nun viel wärmeren Temperaturen im Meer, war die Vielfalt der Meeresbewohner natürlich auch größer geworden. Man konnte schon mal einen  Marlin oder einen Barrakuda erwischen. Allerdings musste man wegen der vielen neuen Quallenarten  auf der Hut sein. Jan wollte Angeln, also vergnügte man sich an Bord und durfte sich  zur Belohnung das, was man gefangen hatte, abends auf den Grills an Deck zubereiten lassen. Spät in der Nacht wachte Per auf und bemerkte, dass das ganze Schiff mächtig rollte, wie man so schön sagte. Wetterumschwünge waren häufiger und kurzfristiger geworden. Dabei kam es durch die größere Wassertiefe und die Sturmintensität zu höherem Wellengang. Er schaltete den TV ein und sah über den hauseigenen Kanal, dass sie ihren Kurs verlassen hatten. Unten lief ein rotes „Breaking News“ Band, auf dem der Kapitän wegen des stark verschlechterten Wetters und zur Sicherheit des Schiffes, den Hafen von Utena in Lettland anzulaufen suchte. Dort wolle man das Ende des Sturmes abwarten. Toll, das war´s dann mit Neu-Tallin, dachte sich Per und legte sich wieder hin. Der Rest der Familie war weiter im Tiefschlaf.

Tag 3-4

Der Sturm hatte sich gelegt und die AIDA Angela hatte 8 Stunden verloren. Neu-Tallin war gestrichen worden. Es ging nach Kopenhagen. Der Wind hatte nun verträgliche Stärke 5-6 und endlich wurden die Segel ausgebracht. Darauf hatte vor allem Johan gewartet. Segeln wie die Seeräuber. Die 4 auf dem Schiff stehenden großen Stahlsäulen öffneten sich und vollautomatisch fuhren je Mast 2 wunderbare rote Segel aus. Man fühlte sich wie zurückversetzt ins 18. Jahrhundert. Neben allerhand Animationen an Bord, war Müßiggang Sinn des Aufenthalts. Allein die Verpflegung hatte sich zum vorigen Jahrhundert leicht verändert. Das Thema Fleisch war umstrittener geworden. Durch den weltweiten Wegfall von Landfläche, waren auch Anbaufläche für Tierfutter als auch Weideland merklich zusammengeschrumpft, was die Lobby der Vegetarier auf den Plan rief. Fleisch zu essen hatte mittlerweile etwas anrüchiges. Man verging sich am Planeten. Wobei sich neutrale Beobachter fragten, was denn Viehzucht im Vergleich zum Betreiben eines Kohlekraftwerkes für ein Vergehen wäre. Auf dem Schiff gab es jedenfalls in den 8 Tagen an drei Tagen ein Buffet mit Fleisch. Gott wie dekadent! Und oberaffengeil dazu! Wunderbare Roastbeefs, Porterhaus-Steaks, Schnitzel, Medaillons von Rinderfilet, Elchbraten, Schweinekrustenbraten usw.. Allein dafür hatte sich die Fahrt gelohnt. Die in der Kantine üblicherweise servierten, politisch korrekten Soja- oder Tofu-Buletten konnte Per schon nicht mehr sehen. Dazu natürlich leckeres aus dem Meer. Neu waren dazu die vielen Sülzen und Aufstriche aus Algen gekommen. Das ging aber nicht 7 Mal die Woche. Heute war wieder so ein leckerer  Tag. Fleisch sollte zur Zierde Ihres dritten Urlaubstages werden. Die abfälligen Blicke der Öko-Touristen waren ihm egal. Rein mit den Zähnen ins tote Tier. Bei Fisch war es fast schon genauso. Durch die Überfischung der Meere, galten viele Fischsorten quasi als Verbrechen, so sie denn auf dem Teller landeten. Aber im Urlaub durfte man mal richtig. Und damit die tuschelnden Juteträger noch ein wenig mehr mit den Zähnen knirschten, zog Per nach dem Essen eine große Cohiba aus der Innentasche des Sakkos. Die konnte man jetzt wieder Kaufen. Die meisten Kubaner lebten ja jetzt in Kanada und bauten dort Ihren Tabak an. Die Qualität passte also. Ab aufs Oberdeck.

Tag 5

Es ging gegen den Wind in Richtung ehemaliges Dänemark. Die Segel waren wieder eingeholt. Leider. Durch den Sturm war der Reisepunkt Neu Tallin ja nun trotz Bitten vieler Gäste tatsächlich gestrichen worden. Sehr schade, aber der Höhepunkt kam ja nun erst. Die drei Kreuzfahrtneulinge hatten das Highlight der Reise gebucht. Eine Fahrt mit dem an Bord befindlichen Mini-U-Boot nach unten in die alte dänische Hauptstadt. Schloss Rosenborg, Erlöserkirche, die Oper und wenn die Sicht gut war vielleicht die kleine Meerjungfrau, die man hatte stehenlassen. Das Boot erlaubte pro einstündigem Tauchgang maximal 6 Fahrgäste. Da man plante, hier 10 Stunden zu verweilen, war dieses Vergnügen also maximal 60 von insgesamt 800 Passagieren vergönnt. Wobei noch ca. 500 in der Lage gewesen wären, das U-Boot auch zu besteigen. Und vor allem ihm wieder zu entsteigen, ohne dass der Schweißbrenner hätte zum Einsatz kommen müssen. Entsprechend war der Vorverkauf des Ausfluges und das, obwohl der Trip stolze 100 EURubel (etwa 350 frühere EUR vor der Währungsunion mit Russland) pro Person kostete. Nun war es aber soweit. Die Drei krabbelten in die Stahlkapsel und das Boot begann zu fluten. Ein merkwürdiges Gefühl. Langsam glitten Sie in die Tiefe. Die Sicht war mäßig aber das musste noch nichts heißen. Vereinzelt sahen Sie Fische oder vorbeitreibenden Müll. Das Problem Müll war mit dem Anstieg der Meeresspiegel nicht besser geworden. Es hatte sich nur weiter verteilt in den Weltmeeren. Plötzlich zeigte der Kommandant nach rechts unten und schwenkte einen der acht großen Scheinwerfer dorthin. Sie waren von der alten Öresundseite wohl über dem Hafen angekommen, denn was sie da sahen, erinnerte das an die alten Kaianlagen. Die Fahrt ging weiter und bald kamen Sie an ein riesiges, eckiges Gebäude. „Das ist ein Stadion!“ rief Johan. „Richtig“ bestätigte der Kommandant. „Das National Stadion. Und daneben das Österbro Stadion.“ Sie trieben weiter und kamen schließlich, immer den alten Straßen entlang, zu Schloss Rosenborg. Verwachsen und vom Meer zurückerobert, aber doch zu erkennen und verwunschen schön. Und gar nicht weit weg davon, stand die kleine Meerjungfrau. Naja, wenn der Kommandant nicht mit allen Scheinwerfern draufgegangen wäre, hätte sie wohl keiner wiedererkannt. Trotzdem schön. „War das mal schön hier?“  fragte Johan aus dem Nichts. Die Erwachsenen schauten sich betroffen an und der Kommandant sagte dann „Ja klar, das war eine tolle Stadt. Da musst Du mal Filme drüber anschauen.“ Johan dachte nach. „Und warum hat sie dann keiner gerettet?“  Wieder betretenes Schweigen. „Das erzähl ich Dir heute Abend mal in Ruhe.“ erwiderte Per und Tilde verzog den Mund zu einem verlegenen Lächeln. Nach einer spannenden Stunde wurde die Luke geöffnet und sie konnten wieder frische Luft einatmen und Platz für die nächsten Gäste machen. Ein klasse Ausflug.

Tag 6 

Von Kopenhagen ging es nun aufgrund der sturmbedingten Kursänderung nach Hyvinkää, der neuen finnische Hauptstadt. Finnland war nach wie vor das Land der tausend Seen, aber eben jetzt von anderen. Manche waren in Fjorde integriert worden und insgesamt sah die Küste natürlich völlig anders aus, als vor hundert Jahren. Daher auch die neue Hauptstadt. Die veränderten Temperaturen ließen nun auch eine Besiedlung bis weit nach Lappland zu, was die vom Meer genötigten, früheren Küstenbewohner Finnlands und auch anderer Länder, dankbar annahmen. Der Platz wurde dringend benötigt. So hatte man Archive, Kulturgüter, Depots etc. in den Norden gebracht und eine weitere Stadt völlig auf den Kopf gestellt. Rovaniemi. Aus den ehemals 61.000 Einwohnern waren für finnische Verhältnisse irrwitzige 515.000 Einwohner geworden. Die Rentiere, die sonst in Ruhe hier lebten, hatten mittlerweile alle Burnout und tummelten sich oberhalb des Polarkreises, der seinen Namen ja auch nicht mehr verdiente. Die wenigsten der neuen Anwohner waren Finnen. Viele Dänen aber auch Esten, Letten und Litauer und ein paar Restsyrer hatten sich dort angesiedelt, da Ihnen in diese Richtung sympathischer war, als gen Moskau. Nun fuhr man also diese Stadt von Südosten mit dem Schiff an. Im 16. Jahrhundert wurde der Ort mit dem Errichten eines Wirtshauses an einem Verkehrsknotenpunkt und Handelsplatz erstmals erwähnt. Stadtrecht erhielten sie dort erst 1960 aber schon vor 1900 wurde  die erste private Eisenbahnstrecke Finnlands hier gegründet. Das erklärt auch das vor Ort befindliche Finnische Eisenbahnmuseum. Dorthin und in den der alten Hauptstadt nachgebauten Dom, wollten alle Kreuzfahrer, wenn sie hierher kamen. Und natürlich um Brotkäse mit warmem Räucherlachs zu essen. Lecker. Irgendwann fanden sich auch die drei Gerschen nach Ihrem Rundgang in einem der Cafe´s und aßen den flachen, gebackenen und mit Moltebeermarmelade bestrichenen Käse. Per und Tilde hatten dazu noch den warmen Räucherlach und ein Lapin Kulta. Johan natürlich nicht. Der hatte ein Eis geordert, denn die Temperaturen schwankten um  deftige 31 Grad. Mittlerweile völlig normal hier oben. Und noch ganz angenehm. In Gera konnte man im August eigentlich nur noch stundenweise vor die Tür. Ansonsten wurde man geröstet. Hier war es ein herrlicher Tag, der leider viel zu schnell verging. Gegen 19:45 Uhr sollten alle wieder an Bord sein und bis auf die üblichen ein oder zwei Pärchen, schafften das auch alle. Ein Paar, durfte unfreiwillig den Urlaub verlängern, da sie nach einer halben Stunde Verspätung immer noch nicht da waren. Weg war der Dampfer.

Tage 7 und 8 

Nach Abfahrt aus Hyvinkää ging es ohne Halt wieder zurück nach Helmstdt. Allerdings auch nicht ganz. Zwei kleine Highlights hatte man doch noch vorgesehen. Es war gute Tradition geworden, an alte, schöne Plätze oder Hafenstädte mit einem ortsbezogenen Ritual zu erinnern, wenn man über Sie hinweg fuhr. In diesem Fall Stockholm und Sylt. Gegen 17 Uhr kamen Sie auf Höhe 59° 20′ N, 18° 3′ O ziemlich exakt über dem alten Stockholm an. Der größte Teil der  Passagiere und die Crew standen auf dem Oberdeck und um den Pool herum. Ein Glocke ertönte und der Erste Offizier begrüßte alle. Er bot den Gästen, die sich trauten, an, an den backbord und steuerbord aufgebauten Buffets ihr „Klämma“ entgegenzunehmen und möglichst mit Begeisterung aufzuessen. Unter „notarieller“ Aufsicht natürlich!. Die Begeisterung besonders an den Rändern zu den Buffets hin, hielt sich in Grenzen, da in den vergangenen Minuten doch viele Dosen des guten, alten, schwedischen Surströmming geöffnet worden waren und der in Mrk und Bein gehende, vergorene Duft der Fischdosen,  mit dem Fahrtwind direkt in die Passagiertrauben geweht wurde. „Als ob die seit Tagen die Fischabfälle gesammelt hätten.“ hörte man einen Mann sagen. Klämma war eine schwedische Spezialität. Sie bestand aus einem Tunnbröd (eine Art Fladen) in das gekochte Kartoffeln, rote Zwiebeln und Butter zusammen mit eben jenem Surströmming gerollt wurden. Schwedischer Dürüm Döner sozusagen. Dazu gab es ein Glas Milch. Der Fisch an sich ist ausgewachsener Hering, der in Salzlake eingelegt wird, bis er vor sich hin gärt. Einen Monat vor dem Verzehr, wird er spätestens in Dosen verpackt, wo er weitergärt und sich Boden und Deckel der Dose heftig wölben. Daher bitte nur unter Wasser öffnen. Sonst ist die Umwelt versaut. Na jedenfalls trauten sich doch Dutzende, den Schwedendöner zu ordern und auch reinzubeißen. Nicht alle nahmen einen zweiten Biss und Etliche rannten unter dem Gejohle der Mitreisenden zur Rehling, um die Fische satt zu machen. Auch Johan schaffte nur einen Biss, aber Per kämpfte sich tapfer durch die Brotröhre. Dann noch das Glas Milch und schon hatte man sich die Urkunde „unerschrockener Bootsmaat der AIDA Angela“ verdient. Wobei Per darauf bestand, dass bei Ihnen Johan und Per vermerkt wurde. Den ersten Biss hatte ja Junior gemacht. Nach einem lustigen Abend an der Bar, schliefen alle dann zufrieden vor der letzten Etappe ein.

Nach einem wie üblich  üppigen Frühstück wurden Sie auf dem Panoramadeck von Bilderbuchwetter begrüßt. Von Stockholm ging es quer über das ehemalige Südschweden und Jütland Richtung Sylt. Hier war für heute Nachmittag die Sylter Prosecco-Taufe geplant. Seit Mittag lief übers Bord-TV eine lange Doku über Sylt, die Bewohner, den ganzen Schickimicki. Da es auf Sylt früher die besten Austern der Nordsee gegeben haben soll (Mittlerweile waren die aus dem Ruhrgebiet besser) , war klar, was anstand. Alle bekamen ein Glas Prosecco und eine Auster mit Zitrone. Der Kapitän hielt seine letzte Ansprache der Reise, erzählte teils melancholisch, teils ironisch  von der Insel und versenkte dann in Gedenken an die sinnlos dort begrabenen Millionen für die bis zuletzt überteuerten Häuser, die eh im Wasser versinken würden, eine echten friesischen Ziegelstein. „Prost“ Auster hoch, Kopp in Nacken, runter damit. Bäh. Prosecco schnell hinterher. Dann wurde traditionell von einer alten deutschen Band, genannt „Die Ärzte“ deren Lied „Westerland“ gespielt und getanzt bis zum Abend.

Letzte Nacht. Das Wetter hatte gehalten und am Morgen gönnten sich unsere drei Urlauber einen letzten Kaffee bzw. Kakao auf dem Achterdeck, wo der Wind nicht so blies. Johan konnte sich heute sogar mal von den vielen, phantastischen Flippern und Spielkonsolen lösen, die es in drei Salons des Schiffes in Hülle und Fülle gab. „Machen wir das nochmal?“ fragte Per. „Klar.“ kam es zweistimmig. „OK, dann nehmen wir aber eine neue Route über Neapel und das große Mittelmeer. Das wird eine tolle Reise, aber elend warm.“ gab er doch zu bedenken. „Die Kabinen haben doch Klima.“ warf Johan ein. „Ja, da will ich aber nicht den ganzen Urlaub bleiben.“ Schweigen. Dann sagte Tilde “ Dann fahren wir von Island nach Grönland. Dort ist es angenehm. Und Eisberge gibt es ja auch nicht mehr.“ Alle lachten. Als Sie am Abend des achten Tages in Helmstedt an der Seebrücke einliefen. spielte die Kapelle wieder „Junge, komm bald wieder.“ Und der Ausflug in die Vergangenheit lehrte auf jeden Fall zwei Dinge. Hoch wohnen ist eine Investition in die Zukunft und immer eine Wiese mit Stromanschluss freihalten.

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Verfasst von: markolange | 2. Oktober 2015

Etikettenschwindel

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Eine riesen Sauerei! Volkswagen betrügt die deutsche Seele und den Rest der Welt, wobei Ersteres schwerer wiegt. Die Amis zetern und fressen vor lauter Wut noch 5 XXL Burger in ihre hohlen Schädel. Aus „Made in Germany“ wird „Cheat in Germany“. Was soll nun werden? Ich habe heute sofort auf der VW-Seite überprüft, ob mein VW, in den ich auch noch irgendeinen Harnstoff schütten muss, damit er überhaupt funktioniert, von der Schummelei betroffen ist. Und ja, ich bin betroffen. Hier das Statement von VW. Kernaussage: „Die Software betrügt gar nicht . Sie optimiert! Das muss ich mir bei der nächsten Steuererklärung mal zurechtlegen.

Lieber Volkswagen Kunde, wir müssen Sie leider informieren, dass der in Ihrem Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer (xygehtkeinenwasan) eingebaute Dieselmotor vom Typ EA189 von einer Software betroffen ist, die Stickoxidwerte (NOx) im Prüfstandlauf (NEFZ) optimiert. Wir versichern Ihnen jedoch, dass Ihr Fahrzeug technisch sicher und fahrbereit ist!

Wir bedauern zutiefst, dass wir Ihr Vertrauen enttäuscht haben und arbeiten mit Hochdruck an einer technischen Lösung. Volkswagen übernimmt selbstverständlich die Kosten für alle notwendigen Maßnahmen und setzt alles daran, Ihr Vertrauen vollständig wiederzugewinnen.

Ihr Volkswagen Partner wird schnellstmöglich auf Sie zukommen, um Sie über die notwendigen Maßnahmen zu informieren. Sollten Sie keinen Volkswagen Partnerkontakt haben, nutzen Sie bitte unsere Kontaktfunktion auf dieser Website.

Mit freundlichen Grüßen, Thomas Zahn Leiter Vertrieb und Marketing Deutschland

Gut. Es funktioniert also weiter. Das beruhigt mich. Aber was wird passieren? Wird mir die grüne Umweltplakette aberkannt und muss ich künftig mein Auto an der Außengrenze von Mühlsdorf stehenlassen und meine Einkäufe mit dem Miet-Esel „Park &  Ride“  nach Hause wuchten? Ein Teufelskreis!

Dabei fällt mir was ganz anderes ein. Wenn man das mal zu Ende denkt, mache ich mir Sorgen um die Vegetarier. Hier geht es ja um Schadstoffausstoß. Was erklären uns die Grünen seit Jahrmillionen? Wir sollen weniger Fleisch essen, weil Rinder durch Ihre Ernährung so viele klimaschädliche Gase ausstoßen. Was fressen Rinder? Richtig. Ausschließlich Pflanzen. Und schön langsam kauen sie auch noch. Während der Löwe zum Frühstück eine halbe Gazelle mit Freude verschlingt, kurz aufstößt und anschließend die Sonne genießt, gast das Milchvieh den lieben langen Tag auf der Weide und wird nicht fertig. Warum in aller Welt soll ich mich dann vegetarisch ernähren? Ich spare mühsam beim Heizen, fahre umweltschonend (VW halt), lese jeden Beipackzettel und meide umsichtig umweltgefährliche Stoffe. Und den vom Munde abgesparten Teil Klimagas soll ich dann als Vegetarier quasi als mobile Biogasanlage wieder in die Atmosphäre pupsen? Es sollte Umweltplaketten für die Ernährungsweise geben! Vegetarier maximal GELB und nur in die städtischen Randgebiete wegen des Feinstaubs und der Co2-Belastung. Außerdem sind die Felder da näher zum grasen. Passierscheine nur mit Auffangbeutel in der Jutehose. Und die müssen dann in der kommunalen Biogassammelstelle am Abend abgegeben werden. Gegen Gebühr! Wer auf Mischernährung umrüstet, bekommt die grüne Plakette und das Abzeichen für gutes Wissen. (die Älteren erinnern sich) Aber Vorsicht! Das Alnatura-Syndikat arbeitet bereits an einer Magentablette, die erkennt, wenn der Proband beim Internisten ist. Dann gast er erst wieder, wenn  er das Wartezimmer verlassen hat.

Da ist das VW-Problem ein Klacks dagegen.

Verfasst von: markolange | 4. August 2015

Haarspaltereien

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Musste heute widerwillig bei der Hitze zum Friseur. Die Matte hing nach dem Urlaub fast in die Stirn, also über 3 cm Haarlänge. Da ging ich wie schon öfter in den McDrive der Friseure, dem Klier im Globus. Dort bin ich von der Konversation ja einiges gewohnt, aber heute hat`s mal wieder besonders Spaß gemacht, da ich eine neue Probandin vorgesetzt bekam. Ich ging also durch die Glastür und die ältere rosa Fönwelle (Muss mal wieder ne Charge rosa im Angebot gewesen sein.) sprach mich mit dem schönen, vollständigen, deutschen Hauptsatz an. „Und bei Ihnen?.“ Korrekt. Ich geh zum Friseur und es stellt sich natürlich die Frage, was ich denn dort wolle. Ein Pfund Mett und Aufschnitt für 5 EUR natürlich. Hab ich aber nicht gesagt. „Einen Maschinenschnitt, bitte.“ und bereute an dieser Stelle schon, das nicht präzisiert zu haben. „Macht es Ihnen was aus, wenn das unsere Auszubildende macht? “ Ich ehrlich: „Nein, das ist in Ordnung und für den Notfall hab ich ne Mütze im Auto. “ Kurz Stille. „Ach ja, hihihi.“ Dann kam die Auszubildende, die sich zwar nicht farblich, aber sonst doch in Vielem Positiv vom fest angestellten Personalstamm absetzte. Hübsch, sprach frei und meist in ganzen Sätzen, konnte lächeln, trug Leggins noch zu Ihrem Vorteil und es schien noch Körperflächen ohne Tattoos zu geben. Sie hatte die erste Frage gelernt. „Und wie?“ „Mit der Maschine?“ fragte ich. „Nein, wie lange?“ Korrekterweise hätte ich jetzt des überflüssigen „e“ wegen „möglichst schnell“ antworten müssen, aber ich wollte verstehen und antwortete „4 und 11“ Sicherheitshalber schob ich noch „Die 4 an der Seite und die 11 oben“ hinterher, ehe es zu spät war und ich 4 Wochen wie ein Steinpilz rumrannte. Ich nahm Platz und bekam den luftdichten Duschvorhang übergeworfen. Im Salon war es eh schon elend warm und unter der Scherplane konnte man Dampfgaren. „Ihre Klimaanlage ist kaputt.“ sagte ich so vor mich hin. „Wir haben doch gar keine“ sagte sie. „Eben.“ Sagte ich. Dann erzählte sie mir goldig offenherzig, was Sie alles kaufen würde, wenn Sie mal ganz viel Geld hätte. Es kamen auch eine Klimaanlage und ein Einhorn darin vor. Sehr merkwürdig. Dann startete Sie den Scherer und begann von vorn über meinen Kopf zu jagen wie ein T34 über die Brandenburger Steppe. Meine Güte. Und aufgedrückt hat se, als ob Sie einen Acker bestellen wollte. Zähne zusammenbeißen und nicht verunsichern. Sie übt ja noch. Gen Ende fragte Sie dann „Soll ich mal über die Augenbrauen drüber.“ Gedanklich stellte ich mir vor, wie sie da wohl klettern wollte, antwortete aber „Nein, die werfen noch keinen Schatten.“ „Kotletten“ „Kurz und grade. Elvis ist tot?“ „Sind sie sicher?“ „Wegen Elvis?“ Ja.“ „Nein“. Sie fuhr mit dem Schergerät Serpentinen um meine Ohren. „Die bleiben bitte so lang.“ „OK“ Hinten Fasson oder rund. Sie haben da so ne hübsche…“ „Machen Sie wie´s Ihnen besser gefällt.“ Wir waren fertig und Sie hatte sich richtig ins Zeug gelegt. Kein Blutverlust und es sah ordentlich aus. Dazwischen kam wieder die rosa Fönwelle und plärrte durch den halben Laden.“Hast schon 36,50 EUR Umsatz heute!“ „Ich entschuldigte mich spontan für den geringen Umsatz, den ich aufgrund meiner uninspirierten Haarpracht zu Ihrer Tagesleistung beitrug. An der Kasse gab mir die rosa Fönwelle dann noch einen Gutschein mit Preisnachlass für das nächste Mal, weil ich heute eine Azubine an die Haarpracht gelassen hatte. „Warum das denn?“ fragte ich. „Ich hab doch gar nicht geschrien?“ Es hat ein wenig gedauert, bis es ankam. Also ich kann es nur empfehlen, mal die Azubis scheren zu lassen. Erstens brauchen die halt auch mal Übung und zweitens hat man Spaß am Gespräch. Und so manche Oma würde mit deutlich mehr Pfiff zum Kaffeekranz schlendern.

Verfasst von: markolange | 30. Juni 2015

Schwiegermutterschein

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Dieser Artikel existiert offiziell nicht. Das Thema ist viel zu heiß, um öffentlich darüber zu sprechen. Gemacht  wird es  trotzdem bei fast jeder Gelegenheit. Der Reiz des Verbotenen ist viel zu  schön und irgendwie ist es eines der Themen, bei dem  fremde Menschen in Bruchteilen von Sekunden zueinander finden. Spontan entstehen mit oder ohne gesprächsöffnende Alkoholika, rege Therapiekreise mit wasserfallartigen Redebeiträgen, aus denen wie Haifischflossen  aus ruhiger See, Wortfetzen wie „Kenn ich!“ oder „Bei Dir auch?“ oder „Hör uff!“ herausstechen. Da man eine Schwiegermutter nun mal nicht casted, sondern zugewiesen bekommt, ergeben sich in vielen Fällen erhebliche  kulturelle Spannungsfelder. Mit denen kann man auf drei Arten umgehen. Ihnen widerstehen, sie ignorieren oder sich ihnen demütig beugen. Typ 1 sollte das Ziel sein. Typ 2 kommt am häufigsten vor und Typ drei hat auch sonst keinen festen Händedruck und benötigt dringend Hilfe.  Auf jeden Fall sollte man für den Umgang mit der SM (Ähnlichkeiten mit anderen Abkürzungen sind rein zufällig) gut gerüstet sein.

In Deutschland muss man doch für Alles und Jedes Prüfungen ablegen. Kettensägenschein, Staplerschein, Sachkundenachweis Hundehalter. Warum also nicht einen Schwiegermutterschein? Bevor man einen jungen Menschen in das Minenfeld der Ehe stolpern lässt, sollten Standesämter die Probanden auf die härtesten anstehenden Prüfungen des Lebens vorbereiten und testen. Und damit ist nicht die Frage „Findest Du, das steht mir?“ gemeint. Die benötigt eine eigene Seminarreihe. Eine theoretische Prüfung, als auch eine Praktische, sind unverzichtbar. Während man sich im theoretischen Teil noch ähnlich der Fahrprüfung durch Multiple Joyce Kreutzchen mit Fragen wie: “ Würden Sie Ihrer Schwiegermutter ehrlich sagen, dass Familiengeburtstage, die  vom Mittagessen über das Kaffeetrinken direkt ins Abendessen übergehen, einfach mal meist öde und schade um den Samstag sind? Ja, nein, Vielleicht“ hangelt, muss im praktischen Teil eine Testschwiegermutter in einer realen Lebenssituation bewältigt werden. Beispiel:  Das Verhandeln von  Volumensgrößen für die Weihnachtsgeschenke der Kinder. Oder: Ab welchem Blutzuckerspiegel hat der Nachwuchs genug Süßigkeiten inhaliert?  Oder noch besser: Das Umgehen mit der Frage, wie es denn mit der Produktion von Enkeln aussieht? Wer nicht aus eigener Stärke heraus besteht, muss nachsitzen. Eine Seminarreihe mit IHK-Abschluss zum SM-Bachelor macht sich gut im Lebenslauf und bringt der Stadtkasse ordentlich Geld. Vielleicht kann man dann in Gera wieder unter einer 1 EUR pro halbe Stunde in der Innenstadt parken oder im Winter Nebenstraßen ohne Schiebeschild befahren.

Pädagogen scheiden meist als Seminarleiter aus, da man in Fachkreisen hier von einer Problemdopplung spricht. Sinnvoll könnten erfahrene Witwer sein, die es entgegen der gängigen Evolution geschafft haben das, System „Schwarze Witwe“ überlebt und einen schier unerschöpflichen Fundus an Ratschlägen gehortet zu haben. Hierzu zählen z.B. die Dienstreise-Taktik, Spontanerkrankungen bei Nennung von Gästenamen, Tauschbörsen von Bereitschaftsdiensten mit Kollegen oder das Erlernen von unverfänglichen Phrasen und  Mimiken. So gerüstet, kann man selbstbewusst  in den Kampf ziehen. Und jeder Kaffeetisch findet von nun an einen ganz anderen Verlauf, wenn Schwiemu beim ersten Besuch an die gegenüberliegende Wand schaut, die nicht mehr vom aktuellen Pin-Up Kalender, sondern der goldgefassten  IHK-Urkunde geziert wird und fragt: „Was bedeutet denn SM-Bachelor? Is das was mit Fernsehen?“

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